Das kreative Schaffen und die Weiblichkeit feiern

Heidi Sutterlüty-Kathan und Beatrix Rettenbacher sind die ersten Trägerinnen des Arthur Zelger-Preises für gute Gestaltung. Wir haben sie zum Interview gebeten.

Eure Weiberwirtschaft hat den ersten Arthur Zelger-Preis erhalten. Was bedeutet diese Auszeichnung für euch?

Den Arthur Zelger Preis als erstes Büro verliehen zu bekommen, war eine große Ehre für uns. Vor allem auch deshalb, weil man sich für diesen Preis nicht bewerben kann, sondern von einer Jury ausgesucht wird. Wir konnten in dem Zusammenhang auch eine Ausstellung im Wei sraum gestalten (diese läuft noch bis zum 7.11.20) und betrachteten dafür rückblickend die eigene Arbeit: Was wollen wir herzeigen? Wo ist die Linie? Wie können wir die Ausstellung ausrichten? Unser Motto ist „Wir haben schon wieder etwas angerichtet.“ Das ist einerseits ein Bezug auf Dinge, die wir schon angerichtet haben, andrerseits eine Aufforderung an alle Frauen, mehr anzurichten. Im Zentrum der Ausstellung gibt es einen Altar, der das kreative Schaffen und die Weiblichkeit feiert.

Wie wichtig sind Preise wie der neue Zelger-Preis für die heimische Kreativlandschaft eurer Meinung nach?

Sehr wichtig. Der Preis zeigt, es gibt eine lebendige Designszene in Tirol. Wir sind nicht ausschließlich ein Berg- und Tourismusland. Mit einem Gestaltungs-Preis wird der Fokus auf das Thema Design gelegt, das weltweit eine immer wichtigere Rolle spielt. Immerhin fängt gutes Design nicht bei der Werbung an und hört bei der Form des Handys auf. Design kann auch unterhalten, Menschen zum Lachen und zum Nachdenken bringen.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand eure Weiberwirtschaft noch nicht kennen sollte – was zeichnet euch aus? Was macht ihr anders als andere? 

Unsere Arbeit ist immer von einem starken konzeptionellen Ansatz geprägt, die reduzierte Ästhetik gibt der Idee Raum und das weibliche Selbstverständnis wird augenzwinkernd eingewoben. Ein zentraler Aspekt ist auch das Analoge, Handgemachte. Oft sind ´wir unsere eigenen Illustratorinnen, sticken Schriftzüge auf Papier und zeichnen. Es ist schön, dass sich diese direkte, analoge Herangehensweise auch ins Digitale hinüberretten lässt. Zum Beispiel handgezeichnete Illustrationen auf Webseite.

Seit 20 Jahren seid ihr Teil der Tiroler Agenturszene. Welche Trends und Entwicklungen konntet ihr beobachten? 

Grundsätzlich hat sich in den letzten 20 Jahren sehr viel getan. Tirol ist sicher gestalterisch gewachsen und anspruchsvoller geworden. Junge Büros fallen mit sehr guten Arbeiten auf – im digitalen aber auch im analogen Bereich. Im Wei sraum, wo sich die heimische Szene trifft, findet Austausch untereinander und mit Leuten aus der Grafik-Szene aus ganz Europa statt. Das ist sehr wichtig. Allerdings wird das Klima nicht nur in der Wirtschaft rauer, sondern auch im  Kreativ-Bereich. Freche und mutige Kampagnen durchzubringen wird nicht unbedingt leichter. Um ungewöhnliche Ideen und Aufträge realisieren zu können, sind wir auf Kundinnen und Kunden angewiesen, die uns vertrauen. Zusätzlich gilt es Räume zu schaffen, in denen wir uns gestalterisch und inhaltlich frei bewegen können. Das ist wichtig, damit uns die Freude an diesem Beruf, auch in schwierigen Zeiten, erhalten bleibt.

Foto: Tirol Werbung/Franz Oss