Der Meister der Inszenierung - Interview mit Stefan Sagmeister

Am 22. August referiert Stefan Sagmeister im Europahaus in Mayrhofen. Er wird über Erfolg sprechen und warum man sich sein Glück einteilen muss.  Eine Keynote, von der man viel lernen kann. Dieses Interview gibt schon vorab Einblicke in die Gedankenwelt des "Design-Gurus". 

Sie stammen aus Vorarlberg und den Vorarlbergern sagt man den Spruch nach: "Schaffa schaffa Hüsle baua". Inwiefern trifft das auf Sie zu?

Stefan Sagmeister: Ich bin jetzt 57 und hab noch kein Haus gebaut. Ich arbeite allerdings sehr viel. 

Sie haben bereits als Teenager Vorarlberg verlassen und sind in die Großstadt Wien gezogen, um eine Grafikdesign-Ausbildung zu absolvieren. Wieso haben Sie sich für diesen Weg entschieden?

Stefan Sagmeister: Weil mich Großstädte schon als Kind fasziniert haben. Das war mit 13 München, mit 18 Wien und dann mit 23 New York.

Ihre Familie führt einen Wirtschaftsbetrieb, ein renommiertes Modehaus. Sie entwarfen 1981 eine Kampagne, die wie der Blitz einschlug? Wie sind Sie an das Konzept herangegangen?

Stefan Sagmeister: Das war eine Kampagne für die damals neuen Jeans-Geschäfte meiner beiden älteren Brüder, mit dem Namen Blue. Natürlich musste das Logo orange sein.

Die Veranstaltung am 22. August in Mayrhofen fokussiert das Glück und den Erfolg. Bedingt das eine das andere?

Stefan Sagmeister: Nein. Leider nicht. Ziele sind wichtig für das Wohlbefinden, aber das Erreichen dieser Ziele führt leider nur zu kurzzeitigem Glück. Harvard Psychologe Tal Ben-Shahar nennt dieses Phenomen 'Arrival Fallacy', also der Ankunfts-Irrtum. Der Satz "Ich werde glücklich sein, wenn ich die Matura geschafft habe" hat sich bei mir als unwahr herausgestellt und ich bin danach nicht mehr darauf reingefallen.  

Gehört zum Glück auch ein gewisser Hedonismus?

Stefan Sagmeister: Ja, zum kurzeitigen Glück. Mein Lieblingsversuch zu einer Definition teilt das Glück nach Zeitdauer ein: Da gibt es das ganz kurze, wie den Sekunden-langen Glücksmoment , ein mittellanges Glück wie die Zufriedenheit (kann stundenlang anhalten, Hedonismus gehört da dazu) und das ganze lange Glück: Das zu finden, was man mit seinem Leben machen will, den Lebenszweck. 

Was macht gutes Grafikdesign aus?

Stefan Sagmeister: Gutes Grafikdesign hilft. Es entzückt den/die BetrachterIn und ist daher ein besonders wirkungsvolles Hilfsmittel. 

Ich denke gerade an das Zitat von Wittgenstein „Ethik = Ästhetik“, das Sie als Schattenschrift für die Ausstellung „Beauty“ entworfen haben. Bleibt haptische Grafik besser in Erinnerung?

Stefan Sagmeister: Bei Ihnen offensichtlich ja. Sonst nicht zwingend. Gute Grafik aber fördert die Erinnerung. 

Sie sagten „Schönheit ist nachhaltig“ warum ist sie das?

Stefan Sagmeister: Schöne Dinge sind nachhaltiger, weil sie sorgsamer behandelt werden (und öfters repariert werden) wie hässliche. Darum halten sie auch länger.

Ab wann zählt Design auch zur Kunst?

Stefan Sagmeister: Eine gute Definition zum Unterschied zwischen Design und Kunst kommt vom Donald Judd: Design has to work. Art does not. Art can just be, it does not have to do anything.

Jeff Koons erzielt mit seinen Ballon Dogs enorme Preis am Kunstmarkt, wird aber auch als Kitsch-Produzent kritisiert. Wie stehen Sie zur Kunst und zum Kitsch?

Stefan Sagmeister: Wenn ich etwas so oft gesehen habe, dass es mir unehrlich erscheint, dann empfinde ich dies als Kitsch: Sonnenuntergänge vor Palmen, Katzen-Babies auf rosarot sind ja an sich nicht unehrlich. Wir kennen sie nur zu gut. Jeff Koons spielt natürlich bewusst mit dem Klischee Kitsch, aber auch dieses Spielen kann mit der Zeit als Kitsch gesehen werden, weil wir es in der Zwischenzeit so gut kennen. Das werden Menschen außerhalb des Kunstmarktes aber anders sehen wie Kunstkritiker. 

Grafikdesign hat sehr viel mit Branding zu tun, also die Assoziation von Produkten mit konkreten Botschaften und Emotionen. Ist Ihre Art von Kunst also ein großes Markenprodukt?

Stefan Sagmeister: Grafikdesign ist die Kombination von Wort und Bild mit der Absicht etwas zu kommunizieren. Das kann etwas mit Branding zu tun haben, muss es aber nicht. Unsere Ausstellung zur Schönheit hat ganz wenig mit Branding zu tun. Obwohl natürlich auch diese Ausstellung gebranded ist und nicht ohne Branding auskommt. 

Interview: Julia Sparber-Ablinger

Glück = Erfolg
Erfolg = Glück
Keynote Stefan Sagmeister
Donnerstag, 22. August 2019 / 20 Uhr
Europahaus Mayrhofen / Zillertal

www.europahaus.at

Karten an allen Ö-Ticket-Vorverkaufsstellen und beim Tourismusverband Mayrhofen-Hippach