Lärm lass nach!

Ein angeregt telefonierender Kollege, eifriges Tastaturengeklapper und eine surrende Kaffeemaschine – was nach einem ganz normalen Tag in der Agentur klingt, kann auf Dauer krank machen. Wie sich das akustische Arbeitsumfeld auf die Kreativität auswirkt und wann Lärm zum Problem wird, erklärt die Innsbrucker Arbeitspsychologin Mag. Elke Mitterer im Interview mit werbungtirol.at

Bei Lärm denkt man ja zunächst an Baustellen oder den Straßenverkehr. Welche Lärmbelästigungen  gibt es in einem Büro?

Da wären zunächst die Arbeitskollegen. Halten sich mehr als zwei Personen in einem Büro auf,  kann es schnell einmal laut werden. Die Technik tut das ihre dazu: Handys klingeln, PCs, Scanner und Drucker geben alle möglichen Geräusche ab. Nicht zu unterschätzen sind berufliche sowie private Gespräche in einem Großraumbüro. In Summe entsteht eine Geräuschkulisse, die unter Umständen negative Auswirkungen auf unsere Leistungsfähigkeit haben kann.

 Was macht (Büro)lärm mit uns? Welche Auswirkungen hat er kurz- und langfristig?

Lärm behindert die Kommunikation, beeinträchtigt die Konzentration und macht häufig krank. Die Grenzen zwischen Belästigung und Gesundheitsgefährdung sind dabei fließend, da die Lärmauswirkungen bei steigender Belastung kontinuierlich zunehmen und außerdem sehr individuell sind. Erste Anzeichen für einen zu hohen Lärmpegel sind oftmals Konzentrationsschwierigkeiten, Unruhe, Nervosität oder Reizbarkeit. Lärm lässt den Körper mehr Adrenalin ausschütten, das Herz schlägt schneller, unsere Muskeln spannen sich an. Auch Schlafstörungen als Folge von Lärm sind weit verbreitet.

Was kann man in akustischen "Akutsituationen" tun, um sich etwas Ruhe zu schaffen?

Grundsätzlich müssen Arbeitgeber den Arbeitsplatz so gestalten, dass die Lärmeinwirkung auf das niedrigste in der Praxis vertretbare Niveau gesenkt wird. Unter Kollegen sollte man auf etwas Rücksicht appellieren und vereinbaren, Gespräche und Meetings außerhalb der Büros abzuhalten.  Telefongespräche in adäquater Lautstärke bzw. Handygespräche nach Möglichkeit in lärmabsorbierenden Gesprächsinseln zu führen. Wird die Belastung trotzdem zu hoch, hilft meist nur der Gang nach draußen an die frische Luft und ein ruhiger Feierabend – im wahrsten Sinne des Wortes.

Wie würde ein optimaler Arbeitsplatz aussehen - besonders für Menschen, die kreative Höchstleistungen erbringen müssen?

Großraumbüros sind aus arbeitspsychologischen und ergonomischer Sicht grundsätzlich nicht zu empfehlen, ist es nicht anders möglich, sollten unbedingt lärmabsorbierende Decken, Böden, Wände sowie lärmabsorbierende Erholungsinseln für Gespräche eingebaut werden. Ungestörtes Arbeiten fällt in kleinen Büros für maximal zwei Personen um ein Vielfaches leichter. Kreativität kann sich nur in einer entspannten Atmosphäre richtig entfalten.

 

Mehr zum Thema gibt’s am 14. Februar 2017 in Innsbruck. Die Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Ergonomie veranstaltet einen Infoworkshop „Lärm und Geräuschbelästigungen - psychische Auswirkungen und ergonomische Gestaltungsmaßnahmen“. Infos und Anmeldung noch bis 8.2.2017 hier: